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Veranstaltungen / Mo, 14.09.2015, 19:30

Wahrnehmung?
© Reinhard Winkler
© Reinhard Winkler

Im Land der Murakamis

Der große internationale Erfolg der Bücher Haruki Murakamis hat zwar japanische Literatur einem Massenpublikum nahegebracht, er verdeckt aber auch, daß Japan viel mehr zu bieten hat als süffige Erzählliteratur mit Fantasy-Einschlägen und rasanten Dialogen. Seit sich Japan in der Meiji-Zeit (1867-1912) für westliche Einflüsse zu öffnen begann, ist in dem Land eine außerordentlich vielfältige Literaturlandschaft entstanden, mit so unterschiedlichen Typen wie Soseki Natsume oder Rynosuke Akutagawa, Junichiro Tanizaki, Yukio Mishima oder Kobo Abe, und zwei Nobelpreisträgern: Yasunari Kawabata und Kenzaburo Oe. Zugleich konnte die japanische Literatur auf heimische Traditionen bauen, auf eine lange Tradition der Lyrik (mit Formen wie Haiku und Waka), auf die immer wieder neu rezipierten Geschichte vom Prinzen Genji (kurz nach dem Jahr 1000 entstanden), auf Theatergenres wie No und Kabuki. Kenzaburo Oe hat einmal gefragt, ob Haruki Murakami überhaupt ein japanischer Schriftsteller sei und nicht eher ein amerikanischer (Murakami hat lange in den USA gelebt), oder eben ein Vertreter der globalen Kultur. Sicher ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten popkulturelle Einflüsse die altjapanischen Traditionen verändert, teilweise sogar verdrängt haben. Zu den wichtigsten Exportartikeln Japans gehören heute Manga und Animé. Diese neue Kultur kann man beim Lesen der Bücher von Banana Yoshimoto und Haruki Murakami mit den Händen greifen, aber auch in den Werken des anderen Murakami, Ryu mit Vornamen, der in seiner Heimat, wo er auch als Filmemacher wirkt, nicht viel weniger populär ist als Haruki. Darüber hinaus gibt es auch stillere, weniger spektakuläre Autoren, die in ihren Werken den Verästelungen spätmoderner Wirklichkeit nachspüren und/oder die japanische Spiritualität weiterführen. Gründe genug, einmal zu fragen, was sich hinter der großen Galionsfigur der japanischen Gegenwartsliteratur verbirgt. Leopold Federmair stellt uns den anderen Murakami vor, von dem er einen Roman ins Deutsche übersetzt hat. Und noch einiges mehr aus seiner reichen japanischen Lese- und Lebenserfahrung.

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Mo, 14.09.2015, 19:30
Vortragende/r: Leopold Federmair
GastgeberIn: Dominika Meindl

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