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Kepler Salon

Eine Liebeserklärung!

von Norbert Trawöger

Liebe zu erklären, ist ein unmögliches Unterfangen. Sie ist einfach da, entwickelt sich und verschwindet mitunter wieder. Doch nichts sollte uns von den Versuchen abhalten, sie gelegentlich zu manifestieren und wenn es nur dazu beiträgt, sie bewusst zu halten. Es war Liebe auf den ersten Blick, gebe ich ungeniert zu. Vielmehr – sie ist immer mehr geworden, die stärkste aller Zuneigungsformen. Im Kulturhauptstadtjahr bin ich erstmals in den Kepler Salon geraten. Es war pure Neugierde, zu wissen, was sich dort abspielt. Ein sehr guter Ansatzpunkt, wie ich heute mit aller Sicherheit behaupten kann: Neugierde und Wissen sind zentrale Stichworte des Kepler Salon. Aber allem voran betritt man besondere Räume und wird sofort von einer Aura eingenommen. Die Räume scheinen Gelassenheit auszuatmen, die sich in den Jahrhunderten im uralten Gemäuer eingenistet hat. Wer oder was viel erlebt hat, denkt in anderen Dimensionen. Wie es eben Johannes Kepler für die Ewigkeit vermocht und hier Luft geholt hat zum Leben und Arbeiten. Selbst die Lage im Herzen der Stadt ist großartig zentral, aber nicht offensichtlich. Man muss wissen, wo man einsteigt und die granitene Stiege in den ersten Stock hochsteigt. Den Stiegenschwellen ist deutlich anzusehen, dass sie seit Jahrhunderten zum Aufstieg dienen. (Nebenbei sei angemerkt, dass es einen Lift gibt und der Salon barrierefrei erreichbar ist.) Mich beruhigen diese Räume bei allen Aufregungen der Fragestellungen und des Alltags bis heute. Im Halbkreis wird man zum Platznehmen in Augen- und Ohrenhöhe mit den anderen Besuchenden eingeladen. Es gibt auch kein Gefälle zu den Menschen, die berufen zu und aus ihren Themenfeldern sprechen, diese zum Diskurs bringen. Zu trinken gibt es auch und wenn man zeitgerecht da ist, ist die Gefahr, nur einen Stehplatz zu ergattern, relativ gering. So war ich 2009 erstmals Gast, dann sogar Vortragender, der sich zu den subversiven Kräften des Humors ausbreiten durfte und gar nicht viel später wurde mir die inhaltliche Verantwortung für diese Wunderkammer anvertraut. Ich habe mich einfach aus purer Begeisterung für den Ort und die dort stattfindenden Geschehnisse um diese Verantwortlichkeit beworben. Ohne genau zu wissen, ob ich diese Aufgabe überhaupt vermag. Ich lerne es bis heute und noch mehr erfahre ich fast jede Woche mitunter von Dingen, von denen ich gar nicht wusste, dass man darüber nachdenken kann. Es gibt wohl keinen anderen geografischen Ort, an dem ich mehr gelernt habe. Für mich ist es ein Areal der ständigen Erweiterung, ein Spielraum der Möglichkeiten, die per se nicht immer gleich auf die nächstmögliche Verwertbarkeit schielen, die uns heute so oft als das Nonplusultra weisgemacht wird. Der Kepler Salon ist für mich einer der raren Sehnsuchtsorte, an denen man noch träumen darf, wie es der Philosoph Thomas Mohrs auf den Punkt gebracht hat.
Verzeihen Sie mir meine hemmungslose Befangenheit, ich bin einfach hoffnungsvoll begeistert, liebe diesen Ort und die Menschen, die sich dort zu denken geben!

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